Frühlingstreffen 9. + 10. Mai 2015

Endlich war es wieder mal soweit und wir konnten an einem Käfertreffen unseres Clubs teilnehmen. Keine Hochzeit und kein runder Geburtstag hinderten uns daran, nur das Wetter wusste noch nicht so richtig was es wollte, aber wir blieben optimistisch.

Der Käfer wurde von mir zuvor auf die Saison und die weite Reise vorbereitet, während meine drei Damen sich um sommerliche Kleidung, Sonnenbrillen, Schuhe, IPhone‘s, IPad‘s und Kissen für die lange Reise kümmerten. Zeitschriften und Walkman waren wohl früher?!?

Es war Samstag früh, sehr früh, als ich meine Mädchen weckte und sie mich mit verschlafenem Blick ansahen. Nach einem kurzen Kaffee und Ovi wurde der Käfer beladen, die Nummer montiert und ab ging es Richtung Süden.

Ich hoffte, trocken ins Tessin zu kommen, denn für dort war der Wetterbericht sehr gut, doch je näher wir dem Gotthard kamen umso feuchter wurde auch das Wetter und meine Scheibenwischerchen kämpften gegen normale Regentropfen wie David gegen Goliath, verloren sie jedoch meistens. Gut hatte ich die Scheibe noch mit einem Wasserabweisenden Mittel behandelt und so war die Sicht doch ab einer gewissen Geschwindigkeit recht gut.

Das mit der Geschwindigkeit sollte sich bald ändern, denn wir näherten uns Göschenen und somit auch dem Anstieg dorthin. Unser Käfer wurde langsamer und langsamer und wir tuckerten gezwungenermassen gemütlich die Strasse hoch. Immer wieder versuchte ich in den nächst höheren Gang zu schalten, doch bis dieser Gangwechsel endlich vollzogen war, fiel die Geschwindigkeit sprich die Drehzahl unseres tapferen Kämpfers im Heck wieder auf die Marke fürs Herunterschalten zurück, und doch versuchte ich es immer und immer wieder. Die einzige Aufmunterung in diesem Moment waren die Leute die uns beim Überholen zuwinkten und vor Freude lächelten.

Endlich vor dem Tunnel angekommen hiess es nochmals frische Luft holen und „durch“. Da wir sonst immer über den Pass fahren war mir gar nicht mehr bewusst wie lange doch dieses Meisterwerk und vor allem wie toll eine Klimaanlage eigentlich ist.

Endlich im Tessin, die Sonne blinzelte uns schon durch die Wolken entgegen. Ausfahrt Biasca raus kurz durch die Provinz uns schon waren wir am Grotto Pippo in Londrio angekommen und Fabiola hiess uns willkommen. Wir sollen den Käfer gleich auf der einen Seite des Parkplatzes aufreihen, die Andere sei eben schon mit so 08/15 Autos belegt und wir sollen das bloss nicht bei Reto erwähnen, er habe schon einen ziemlich dicken Hals deswegen. Irgendwie sei das alles anders geplant gewesen. Aber egal alle hatten einen Platz gefunden und das grosse Begrüssen ging los.

Die Sonne zeigte sich gerade als wir nach einem kleinen Apero ein feines Essen, Polenta e Brasato oder Spaghetti, serviert bekamen. Nach dieser Stärkung wurde wild gehandelt und gefeilscht, beim Teilemarkt auf dem Parkplatz, den Reto und Erika wieder eingeführt haben. Manch einer konnte günstig ein Teil erwerben, das er schon lange gesucht hat oder gar nicht wusste, dass es sowas gibt.

Dann hiess es aufkollonnieren zur Ausfahrt, auf die ich mich immer ganz besonders freue. Für mich das Highlight jedes Treffens. Wenn über 20 uralte Käfer und Artverwandte sich durch die Nebenstrassen der Umgebung schlängeln und uns Jung und Alt zuwinkt. Ups, dieses Mal stand sogar die Polizei mit Maschinengewehren im Anschlag am Strassenrand, doch sie hatten wohl nichts gegen unseren Corso, wir kamen nämlich vollzählig in Locarno an und durften unsere Schätze vor dem Hotel an der Seepromenade aufstellen. Natürlich führte dies zu einem Menschenauflauf, was viele interessante Gespräche ergab und sogar noch ein neues Mitglied hervorbrachte. Wir checkten ein und staunten nicht schlecht über die Suite, die uns da als Doppelzimmer mit 2 Zustellbetten verkauft wurde, einfach genial: „Schade bleiben wir nur eine Nacht!“

Bei einem kühlen Bier auf der Terrasse, die Frauen gingen teilweise shoppen, schauten wir dem munteren Treiben rund um unsere Autos zu. Da wurde geschaut, diskutiert, angefasst und regelrechte Fotoshootings gemacht. Gestärkt ging es an die GV, die der Vorstand wie immer souverän meisterte. Nach dem Motto „in der Kürze liegt die Würze“, war sie im Nu vorbei und wir waren sogar noch zu früh fürs Nachtessen.

Doch dann öffneten sich die Tore zu einem Festmahl. Was wir alles geboten bekamen, kann man kaum in Worte fassen, das kalte Buffet erstreckte sich über den ganzen Raum, Salate, kalte Platten, Vitello tonnato, eine riesige Fischplatte, da war wirklich für jeden etwas dabei und viele gingen auch zwei oder sogar dreimal wie ich gesehen habe, ich natürlich nicht;-). Wir waren ja auch nicht sicher ob da noch ein warmes Buffet nachkam und eigentlich hatten wir bereits genug, aber es folgte ein warmer Hauptgang und danach sogar noch ein grosses Dessertbuffet, einfach nur „WOW“ und das alles für nur 32.- Fränkli!!!

Mit vollgeschlagenen Bäuchen stellte sich nun die Frage, ins Bett oder doch noch auf die Piazza? Meine Mädels entschieden sich fürs Bett, sie waren erschöpft vom Tag und vom Shoppen. Ich schloss mich noch einer kleineren Gruppe an und wir schlenderten durch Locarno, um auf der Piazza bei einem Schlummerbecher noch dem nächtlichen Treiben zuzusehen. Bei entspannten Diskussionen über Steine und Vögel, liessen wir den Tag ausklingen.

Die Nacht war kurz doch der strahlende Sonnenschein, der uns weckte machte das Aufstehen umso leichter und die Vorfreude auf das Frühstücksbuffet unterstützte diesen Prozess zusätzlich. Obwohl wir eigentlich noch gar keinen Hunger hatten, setzten wir uns an den Tisch und schlugen wieder zu, dieses Mal aber mit Massen.

Nachdem wir gepackt, das Zimmer bezahlt und die Fahrzeuge beladen hatten war der Zeitpunkt des Abschiednehmens gekommen. Man schwärmte nochmals vom gelungen Treffen, dem Buffet und dem fantastischen Wetter.

An dieser Stelle möchte ich nochmals im Namen aller Teilnehmer, den Organisatoren: Fabiola, Erika, Reto und Hans einen riesen Dank für das gelungen Treffen im sonnigen Tessin aussprechen.

Die kleine Gruppe Ornithologen von letzter Nacht hat sich kurzfristig noch dazu entschlossen einen Abstecher nach Ascona zu machen. Wie sich herausstellte waren wir nicht die Einzigen mit dieser Absicht, als wir dort nämliche den halben Club wieder trafen. Wir flanierten die Promenade entlang, lauschten dem Konzert der Musikgesellschaft und genossen einen kleinen Apero in einem der Promenaden-Kaffees. Da die Lieblingsgelateria meiner Kinder erst um 13 Uhr öffnet – wir waren eben letzten Sommer schon da – mieteten wir, zur Überbrückung, eben noch ein Pedalo und schipperten eine halbe Stunde auf dem See herum. Und dann endlich öffnete die Gelaterie ihre Türen und wir genossen eine doppelte Portion Gelati Ticinese, hmmm lecker!

Nun hiess es endgültig Abschied nehmen vom sonnigen Tessin und wir fuhren, nach einem kurzen Tankstop, mit unserem treuen Käfer dem Gotthard entgegen. Und wer dachte die Nordseite wäre die steile und langsame gewesen wird auf der Südseite noch eines Besseren belehrt. Gerade mal 60 km/h zeigte die Nadel an und das Hoch- und Runterschalten liess ich diesmal weg. Die andere Autofahrer ärgerten sich nicht ab uns, wie sonst wenn man mit dem Alltagsauto mit nur 118 km/h unterwegs ist, sie winkten uns lächelnd zu und zeigten uns wie es heutzutage heisst „like“ und „Daumen hoch“ während meine Kinder schliefen und Käthi ihr Lied vom Musical zum hundertsten Mal sang.

Dieses tolle Treffen wird uns allen noch lange in Erinnerung bleiben und auch den Sonnenstich, den ich mir auf dem See zugezogen habe, beschäftigte mich noch ein paar Tage. Schade nur, dass wir nicht über den Gotthard fahren konnten, die Tremola mit Käfer ist halt schon ein ganz spezielles Erlebnis.

– Thomas Hossli

 

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